Der Morgen vor der Hochzeit – warum ich ihn nicht missen möchte
Ich sage Brautpaaren immer dasselbe: Wenn ihr mich nur für vier Stunden buchen könnt, nehmt die Trauung und den Abend. Wenn ihr mehr Zeit habt, nehmt auch den Morgen. Das Getting Ready – das Ankleiden, das Make-up, die letzten ruhigen oder hektischen Stunden vor dem Beginn – ist fotografisch einer der reichhaltigsten Teile des Tages. Und einer der unterschätztesten.
Was in diesen Stunden wirklich passiert
Es ist der Moment, in dem noch nichts performt wird. Niemand steht gerade oder lächelt für die Kamera. Alle sind mit sich selbst beschäftigt – die Braut beim Friseur, die Mutter hilft beim Kleid, der Vater steht etwas verloren in der Ecke.
Ich beobachte mehr als ich inszeniere – und morgens gibt es am meisten zu beobachten.
Was für gute Fotos wichtig ist
Zwei Dinge braucht Getting Ready: Licht und Zeit. Ein helles Zimmer mit Tageslicht ist für mich als Fotograf Gold wert. Dunkle Hotelzimmer mit gelblicher Deckenbeleuchtung sind mein größter Feind an Hochzeitstagen – ich arbeite mit natürlichem Licht, und wenn das fehlt, fehlt meistens auch die Stimmung.
Und Zeit: Wenn morgens alles gehetzt ist, sieht man das auf den Bildern. Ich empfehle mindestens eine Stunde mehr einzuplanen, als man glaubt zu brauchen. Das klingt viel, ist aber fast immer richtig – weil sich Hochzeitstage gerne verzögern.
Womit ich anfange
Meistens starte ich mit den Details, bevor im Zimmer Unruhe entsteht: das Kleid, die Schuhe, die Ringe, die Einladungskarte auf dem Tisch, das Parfüm im Morgenlicht. Das sind keine Pflichtfotos – aber sie erzählen die Geschichte des Tages, bevor er richtig anfängt.